
So kündigte der St. Ingberter Anzeiger am
7. November 1881 die Gründung des protestantischen Kirchenchores an.
Dass die Presse zuweilen auch irren kann, stellte sich nun anlässlich der Vorbereitung auf das Jubiläum 125 Evangelische Kantorei im Jahr 2006 heraus. Manchmal ist man doch schon älter als man denkt. Das ist nicht nur menschlich, sondern das gilt auch zuweilen für Vereine und deren Gründungsjahr. Beim Stöbern in den Archiven fand sich schon im Bericht der protestantischen Pfarrei St. Ingbert über das Kirchenjahr 1866 ein Hinweis auf die frühere Existenz des Kirchenchores. Der damalige Pfarrer Ernst Krieger schrieb darin wörtlich:
"Ein Zeichen regen kirchlichen Sinnes ist die Bildung eines Kirchenchores aus jungen Männern und Burschen in St. Ingbert."
Über die Gründe dieser "Doppelgründung" kann man heute nur Vermutungen anstellen. Nach der Erstgründung ( nur mit Männern ) gab es wohl Ende der 1870-er Jahre neue Impulse für das Chorleben. Immer mehr Kirchenchöre wurden gegründet, die sich Ende 1880 zum Landesverband der evangelischen Gesangsvereine zusammenschlossen. Dieser Bewegung ist wohl die Neugründung zu verdanken, zu der dann auch weibliche Kräfte zugelassen waren, wie der St. Ingberter Anzeiger berichtet.
Über viele Jahrzehnte widmete sich der Chor dem Gesang im Gottesdienst, bis einige Jahre nach dem Krieg erste Konzerte außerhalb des Gottesdienstes aufgeführt wurden. Es war das Verdienst des damaligen langjährigen (1934 - 1973) Chorleiters Heinz Haag, die Sängerinnen und Sänger behutsam an die Aufführung größerer Werke der Kirchenmusik heranzuführen
1971 - also 105 Jahre nach Gründung des Kirchenchores - entstand sein heutiger Name: "Evangelische Kantorei St. Ingbert".
Ab 1974 lag die Chorleitung in den Händen von Helmut Haag. Nun trat die Kantorei regelmäßig mit anspruchsvollen Werken auf wie Messen von Mozart, Beethoven und Bruckner, Requien von Brahms und Mozart oder Bachs Weihnachtsoratorium und seine Johannespassion.

Die Evangelische Kantorei 2007
Um das Bild größer anzusehen bitte hier klicken
Seit 1999 leitet Thomas Huck die Evangelische Kantorei. Als erstes großes Werk unter seiner Leitung erklang am 16. April 2000 mit großem Erfolg Johann Sebastian Bachs Johannespassion in der Martin-Luther-Kirche.
Große Werke der Kirchenmusik folgten bis zum heutigen Tag: aus dem Barock u.a. die Bachwerke "Magnificat" und alle sechs Teile des Weihnachtsoratoriums sowie Händels "Messias".
Aus den Epochen der Klassik und Romantik bis hin zu Kompositionen des 20. Jahrhunderts ragen die Aufführungen von Mozarts Requiem, der "Elias" und der "Lobgesang" von Felix Mendelssohn Bartholdy, die
"Messe Solennelle" von Vierne und zuletzt das Requiem von Duruflé heraus.
Am 4. November 2007 wurden zwölf der insgesamt 26 "Psalmen Davids" von Heinrich Schütz mit großem Erfolg aufgeführt.
Der besondere Reiz lag in der von Schütz vorgegebenen Aufführungspraxis: geteilte Chöre und Instrumentalgruppen
von verschiedenen Plätzen in der Kirche sorgten für eine authentische Wiedergabe.
Die Evangelische Kantorei sang am 9. November 2008 die Bachkantaten "Ich hatte viel Bekümmernis" und "Wer nur den lieben Gott lässt walten"; hinzu kam ein musikalisches Highlight aus Bachs unerschöpflichen Instrumentalwerken, das 5. Brandenburgische Konzert.
Die Leitung des Konzertes hatte Helmut Haag, der ab September 2008 die Leitung der Evangelischen Kantorei wieder übernommen hat. Lang anhaltender Applaus war der Dank des Publikums für dieses Konzert.
2009 stehen drei Chorkonzerte für die Kantorei auf dem Programm: Ein Passionskonzert am 29. März mit Werken von Johann Sebastian Bach und Wolfgang Fortners geistlicher Abendmusik ´Herr bleibe bei uns´; ein Festkonzert zum Jubiläum 150 Jahre Martin-Luther-Kirche mit der Aufführung des Oratoriums ´Die Schöpfung´von Josef Haydn am 13. September und am 3. Advent ein Weihnachtskonzert fürs Herz mit bekannten deutschen Weihnachtsliedern und jubelnden Chören aus dem Messias und dem Weihnachtsoratorium.
Ein sehr schönes, abwechslungsreiches und anspruchsvolles Programm !